Physikalisch betrachtet ist der Begriff der "regenerativen Energien" eigentlich Unsinn. Genauer wäre der Begriff der "Energien aus nachhaltig(er)en Quellen". Neben der Nutzung von Sonne, Wasser, Wind und Erdwärme wird hierzu auch aus "biologischem Material" erzeugte Energie auf breiter Ebene als nachhaltig angesehen. Der "Bio-Sprit" ist dementgegen bereits vor einiger Zeit in die Kritik geraten und wurde auch bei Mentio bereits thematisiert (hier und hier). Anders sieht es vielfach noch aus beim "Stall- und Ackerstrom" aus Biogasanlagen. Doch wie sinnvoll bzw. nachhaltig ist diese Energiequelle?
Biogasanlagen und deren Folgen in Kurzform:
1. Ansatz:
Nutzung von Reststoffen und Tierdung (i.d.R. Gülle) aus der Landwirtschaft zur Erzeugung von Biogas, mit dem über Verbrennung in einem Gasmotor elektrische Energie (und Wärme) erzeugt werden kann. Doppelter Nutzeffekt: Eindämmung von Kohlendioxid- und Methanfreisetzung aus landwirtschaftlicher Tätigkeit, Erzeugung von Strom und Wärme.
2. Anreiz und Ermöglichung:
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert eine Einspeisevergütung, um die Wirtschaftlichkeit der Anlagen herzustellen. Das Baugesetzuch privilegiert Biogasanlagen für landwirtschaftliche Hofstellen und Tierhaltungsbetriebe im Außenbereich.
3. Größenbeschränkung:
Zum Schutz des Grundgedankens der größtmöglichen Außenbereichsschonung ist die Privilegierung von Biogasanlagen im Außenbereich beschränkt auf eine installierte elektrische Leistung von höchstens 0,5 MW (diese Grenze soll indirekt die bauliche Größe der Anlagen beschränken) und auf max. eine Anlage je Hofstelle bzw. Betrieb.
4. Realität:
Es werden nicht nur Reststoffe und Tierdung in den Fermentern vergoren. Die sogenannten NawaRo (= nachwachsende Rohstoffe) spielen eine größere Rolle. Es können Getreide- und Grassilage genutzt werden; üblicherweise aber wird wegen des größeren Ertrags Mais verwendet. Für eine Biogasanlage mit 0,5 MW werden ca. 225 ha Mais benötigt. Ein bedeutender Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche wird mittlerweile nur für den Maisanbau für Biogasanlagen genutzt.
5. Folgen:
5.1
Im Vergleich zu anderen "erneuerbaren" Energien ist die Energieeffizienz relativ gering. Allein die Maisproduktion benötigt einen hohen Energieaufwand (für Maschinen, Transporte, Produktion von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, usw.), der in so manche Energiebilanzberechnung nicht einfließt. Berücksichtigt man auch Bau und Betrieb der Anlagen etc. (s.a. Ziff. 5.2), ist eine insgesamt negative Energiebilanz sehr wahrscheinlich (umfassende Berechnungen sind aufgrund der Komplexität sehr schwierig). Letztlich wird in vielen Fällen womöglich nur "Erdöl in Biogas gewandelt".
5.2
Biogasanlagen und deren Folgen in Kurzform:
1. Ansatz:
Nutzung von Reststoffen und Tierdung (i.d.R. Gülle) aus der Landwirtschaft zur Erzeugung von Biogas, mit dem über Verbrennung in einem Gasmotor elektrische Energie (und Wärme) erzeugt werden kann. Doppelter Nutzeffekt: Eindämmung von Kohlendioxid- und Methanfreisetzung aus landwirtschaftlicher Tätigkeit, Erzeugung von Strom und Wärme.
2. Anreiz und Ermöglichung:
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert eine Einspeisevergütung, um die Wirtschaftlichkeit der Anlagen herzustellen. Das Baugesetzuch privilegiert Biogasanlagen für landwirtschaftliche Hofstellen und Tierhaltungsbetriebe im Außenbereich.
3. Größenbeschränkung:
Zum Schutz des Grundgedankens der größtmöglichen Außenbereichsschonung ist die Privilegierung von Biogasanlagen im Außenbereich beschränkt auf eine installierte elektrische Leistung von höchstens 0,5 MW (diese Grenze soll indirekt die bauliche Größe der Anlagen beschränken) und auf max. eine Anlage je Hofstelle bzw. Betrieb.
4. Realität:
Es werden nicht nur Reststoffe und Tierdung in den Fermentern vergoren. Die sogenannten NawaRo (= nachwachsende Rohstoffe) spielen eine größere Rolle. Es können Getreide- und Grassilage genutzt werden; üblicherweise aber wird wegen des größeren Ertrags Mais verwendet. Für eine Biogasanlage mit 0,5 MW werden ca. 225 ha Mais benötigt. Ein bedeutender Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche wird mittlerweile nur für den Maisanbau für Biogasanlagen genutzt.
5. Folgen:
5.1
Im Vergleich zu anderen "erneuerbaren" Energien ist die Energieeffizienz relativ gering. Allein die Maisproduktion benötigt einen hohen Energieaufwand (für Maschinen, Transporte, Produktion von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, usw.), der in so manche Energiebilanzberechnung nicht einfließt. Berücksichtigt man auch Bau und Betrieb der Anlagen etc. (s.a. Ziff. 5.2), ist eine insgesamt negative Energiebilanz sehr wahrscheinlich (umfassende Berechnungen sind aufgrund der Komplexität sehr schwierig). Letztlich wird in vielen Fällen womöglich nur "Erdöl in Biogas gewandelt".
5.2
Der Maisanbau tritt in Konkurrenz mit anderen Nutzungen. Tierfutter wird teilweise importiert, um den eigenen Viehbestand füttern zu können. Dieses Futter wird nicht selten auch auf gerodeten Regenwaldflächen billig produziert (mit entsprechenden Folgen für die dortige Umwelt und Bevölkerung) und mit hohem Energieaufwand nach Deutschland transportiert. Entsprechendes gilt für Nahrungspflanzen. Dennoch ist der Import aufgrund der hohen Einspeisevergütung für den Biogas-Strom tw. noch wirtschaftlicher, als den für Biogasanlagen nutzbaren Mais zu verfüttern, bzw. Futter- oder Nahrungspflanzen auf den Flächen vor Ort anzubauen.
5.3
Die Monokulturen des Maisanbaus schaden dem Natur- und Klimaschutz. Landschaften verschwinden hinter und unter Maisackern. Auf bereits ca. 1,6 Millionen Hektar werden NawaRo angebaut. Die unter Ziffer 5.2 geschilderte Situation beginnt sich aufgrund steigender Agrarpreise zwar zu wandeln - der Acker wird (evt. nur vorübergehend) wieder kostbarer. Die Folge jedoch ist der vermehrte Umbruch von Grünland, das auch von vielen wildlebenden Tieren genutzt wird und als Verbundachsen zwischen Biotopen oder als Feuchtgrünlandgebiete dient. Durch den Abbau organischer Substanzen im Boden werden Gase wie Kohlendioxid und Lachgas freigesetzt.
5.4
Durch den steigenden Flächenbedarf für den NawaRo-Anbau steigen die Preise für landwirtschaftliche Nutzflächen und bringen - insbesondere Betriebe, die zum Überleben auf eine Vergrößerung angewiesen sind - in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
5.5
Dennoch wird der Maisanbau über den NawaRo-Bonus kräftig gefördert. Trockenfermentierung (vollständiger Verzicht auf Güllefermentierung) erhält nochmals eine Extraförderung. Der Grünlandumbruch ist klima- und naturschutzpolitisch unverantwortlich, dennoch ist der Grünlandumbruch faktisch kaum bis gar nicht beschränkt. Die nach Landesrecht teilweise erlassenen Verordnungen führen Genehmigungspflichten ein, welche mehr der Überwachung als der Regulierung dienen (nach EU-Recht besteht eine Verpflichtung für die Mitgliedstaaten, dass insbesondere bei einem Rückgang des Dauergrünlandes um mehr als fünf Prozent im Vergleich zu 2003 regulierend eingegriffen werden muss - diese Gesamtbetrachtung vernachlässigt aber insbesondere regionale Typiken). In einigen Fällen wird sogar die Landentwässerung zur Nutzbarmachung als Acker vom Land finanziert - entgegen naturschutzrelevanter Zielsetzungen -, als Folge politischer Ressortkonkurrenzen bzw. fehlender politischer Koordination.
5.6
Insbesondere im Außenbereich fehlen sinnvolle Wärmenutzungskonzepte. Die beim Verbrennungsprozess anfallende Wärme (etwa die Hälfte der erzeugten Energie) entweicht ungenutzt - und die Energiebilanz nochmals verschlechternd - in die Atmosphäre. Die Fermenter, Nachgär- und Enlagerbehälter sind entsprechend überdimensioniert gebaut (dazu kommen gigantische Silagelager) - Industriebauten mitten in der Landschaft. Viele Gemeinden ermöglichen über Bauleitplanungen nochmals zusätzlich Vergrößerungen der Anlagen über die Privilegierungsgrenze des Baugesetzbuches weit hinaus.
5.7
Die Gewinne der "Energiewirte" finanziert der Bürger mehrfach über Förderungen für den Anlagenbau, Förderungen der NawaRo, Subventionen, den erhöhten Strompreis, Steuerabschreibungen usw. mit.
5.8
Massentierhaltungsanlagen werden durch das "Anhängsel" Biogasanlage rentabler und damit hinsichtlich ihrer Errichtung oder Aufrechterhaltung attraktiver.
5.9
Große Betriebe gründen weitere Hofstellen oder neue Betriebe, statt vorhandene zu erweitern, um eine weitere (lohnenswerte) Biogasanlage bauen zu können. Die Landschaftszersiedlung nimmt zu.
6. Schlusserwähnung:
Der Sachverständigenrat für Umweltfragen und die OECD stellen mittlerweile die intensive landwirtschaftliche Energieerzeugung grundsätzlich in Frage. Dennoch sind Biogasanlagen zumeist grün - was aber mehr an der Farbgebung der baulichen Anlagen liegt. Doch das sei nur am Rande erwähnt.

8 Kommentar(e) erwähnt:
Völlig korrekt, lieber Noah. Biogasanlagen haben nur dann einen ökologischen Wert, wenn sie ausschließlich mit Abfällen aus der landwirtschaftlichen Produktion betrieben werden.
Allerdings ist es wohl so, dass "nachwachsende Rohstoffe" umso mehr Energie enthalten, je höher der Zuckergehalt ist. So kann man aus Zuckerrohr beispielsweise erst "Sprit" herstellen und die Reste dann fermentieren. Beim Mais ist es ähnlich. Viel Pflanzenmasse, relativ hoher Zuckergehalt und ab damit in den Fermenter.
Bei der Ernte übrig bleibendes Stroh aber, ist relativ wertlos für die Gewinnung von Biogas usw.
Man forscht zwar an Methoden, um auch und gerade diese Stoffe nutzen zu können . was ja auch viel mehr Sinn macht, da sie als Rückstände nach der Erzeugung von Nahrungsmitteln übrig bleiben, aber bisher nur verbrannt werden können, um Energie zu erzeugen.
Es ist vollkommen richtig wenn Du sagst, dass der Betrieb von Biogasanlagen mit eigens nur zu diesem Zweck angebauten Pflanzen nicht der richtige Weg sei. Schließlich benutzt man zu deren Erzeugung Ackerland, das sicher für die Produktion von NAhrung besser genutzt wäre. Statt dessen vergeudet man die Fruchtbarkeit bester Ackerböden dafür, Energiepflanzen zu erzeugen. Was für ein Widersinn und was für eine Umweltschweinerei! Von Öko keine Spur.
Herzliche Grüße von Andrej
Es geht eben (wie immer) am Ende nur um's Geld. Bei meinen vielen Gesprächen mit Planern und Firmen, die solche Anlagen bauen, mit den Bauherren und Betreibern solcher Anlagen, fiel nie auch nur ein Wort hinsichtlich der Ökologie, aber immer wieder dreht sich alles darum, dass jeder verlorene Bau- und Betriebstag verlorenes Geld bedeutet. Landwirte und Betreiber von Tierhaltungsanlagen sind eben Unternehmer, es ist ihnen insofern nicht zu verdenken (andererseits dürfte man auch von Unternehmern Verantwortung über den eigenen Betrieb hinaus einfordern). Das Problem aber stammt gleichermaßen aus der Politik. Die Forcierung des Anlagenbaus über EEG und BauGB war entweder ein Schnellschuss (der das Ziel verfehlte), oder aber eine Lobbyeintscheidung.
Danke für deine Ergänzung, und einen schönen Sonntag!
Ich würde mal auf zweiteres tippen, Noah. Bekanntermassen werden ja seit einigen Jahren die Gesetze nicht mehr in den einzelnen Ministerien und Behörden geschrieben, sondern üblicherweise extern "vorbereitet". Entweder stammen sie aus der Feder irgendwelcher Unternehmen, die sich der Unternehmensberatung und Wirtschaftsprüfung widmen , oder gleich von den Lobbyisten, die als externe Mitarbeiter die armen Abgeordneten von ihrer schweren Tätigkeit entlasten sollen/wollen.
Als sehr problematisch schätze ich die Tatsache ein, dass Unternehmen von ihrer Struktur her garnicht demokratisch und sozialverantwortlich handeln können, weil sie ihren Existenzzweck ausschließlich aus dem erzielen von Gewinn ziehen. Man muss Unternehmen zwingen, sozial zu handeln. Denn eine soziale Einstellung den Mitarbeiter und der Gesellschaft gegenüber ist in Unternehmen die absolute Ausnahme.
Will ich aber als Politiker die Wirtschaft zu verantwortlichem Handeln zwingen, muss ich die Gesetze selber ausarbeiten. Andernfalls besteht immer die Gefahr (das ist jetzt sehr vorsichtig ausgedrückt) dass unternehmerische und wirtschaftliche Interessen die Oberhand gewinnen und alles andere hintan gestellt wird.
Zweitens besteht die Gefahr, dass die Abgeordneten weder die Tragweite der von "ihnen" beauftragten Gesetze und Verordnungen weder verstehen, noch überblicken, oder sogar die dahinter stehenden Ziele und Absichten zu durchschauen.
Gruß Andrej
Klar gesagt - dem gibt es nichts hinzuzufügen.
Meinen Dank, und einen herzlichen Gruß!
Andererseits ist in dieser Gegend, in der ich lebe, der Maisanbau für Biogasanlagen die einzige Chance der Bauern, überhaupt den Hof halten zu können, wie ich aus Gesprächen mit Betroffenen weiß.
Für Kartoffeln und Getreide wird ein Witz bezahlt, und die Milchproduktion ist zum Minusgeschäft geworden. Vor allem, weil sich der Verbraucher nur um billig schert und nicht einsieht, mehr als fünfzig Cent für den Liter zu bezahlen. Da sie für ihre Milch gerade mal 20 Cent/Liter erhalten, sind die Höfe gezwungen, die Haltung noch billiger zu gestalten - günstiges Futter aus dem Ausland...In der Folge verschwinden zunehmend die kleinen Höfe, während immer mehr Tierfabriken entstehen, die "rentabler" sind.
Die Landwirtschaft und die damit zusammenhängenden Prozesse werden immer absurder.
Ich wünschte, mehr Landwirte stiegen auf biologische Erzeugung um, aber ob sie sich dadurch besser halten können, wenn man die mehrjährige Umstellungszeit und den mangelnden Verbraucherwillen betrachtet?
Korrekt, in der Regel werden unsere Lebensmittel nicht angemessen bezahlt. Warum nicht die Verbraucher zwingen (direkt, wie bei der Buchpreisbindung, oder indirekt über andere Instrumentarien)? Ich weiß, das ist komplex. Aber auf Eigenverantwortlichkeit der Masse der Verbraucher kann man m.E. letztlich nicht bauen.
Biogasanlagen bauen, damit Bauern durch Energiemaisanbau ihre Höfe halten können, kann irgendwie nicht der richtige Weg sein - da sind wir uns vermutlich einig.
Sind wir.
hallo, ich finde das die Biogasanlagen als einzigstes als erneuerbare Energie bezeichnet werden könnte. Ich finde das Biogasnalgen mehr zum Thema werden sollten, man liest viel über Sonnenernergie ect. aber gerade Biogasanalgen sind eine sehr schöne und effiziente Alternative.
Gruß Laura
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