Mittwoch, 6. Mai 2009

Verrat an den Tieren...

... wirft Ärzte gegen Tierversuche dem EU-Parlament vor.

Die EU überarbeitet derzeit die über 23 Jahre alte Tierversuchrichtlinie. Der Entwurf der EU-Kommission war laut der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche zwar nicht zufriedenstellend, beinhaltete jedoch einige gute Ansätze. »Das Parlament hat sich zum Handlanger der milliardenschweren Tierversuchslobby gemacht und den Entwurf total ausgehöhlt«, erzürnt sich Dr. med. vet. Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ärzteverbandes. »Die Nutznießer von Tierversuchen behaupten gebetsmühlenartig, dass strengere Gesetze dem medizinischen Fortschritt schaden würden. Einen Beweis hierfür bleiben sie aber schuldig«, so Gericke weiter.

Die Abgeordneten stimmten unter anderem für folgende Punkte:


  • Tierversuche, die »erhebliche« Leiden verursachen und dazu »länger anhaltend« sind, sollen erlaubt sein.

  • Tiere dürfen wiederholt in schmerzhaften Experimenten verwendet werden.

  • Affen dürfen weiterhin für jeden nur denkbaren Zweck verwendet werden. Die Beschränkung auf Forschung für »lebensbedrohliche« und »schwächende« Krankheiten, wie die Kommission vorschlug, ist gestrichen.

  • Es gibt keine wirksamen Vorgaben, um den Fang wildlebender Affen fürs Labor einzudämmen.

  • Forscher sollen selbst entscheiden können, für welche Experimente sie eine Genehmigung beantragen, da die Genehmigungspflicht vom Schweregrad des Experiments abhängt. Dieser wird aber vom Forscher selbst festgelegt.

  • Die rückwirkende Bewertungen der Ergebnisse, wie von der Kommission vorgesehen, ist für die allermeisten Tierversuche gestrichen.

  • Weiterhin fehlt eine konkrete Strategie für den Ausstieg aus dem Tierversuch.

In der EU werden pro Jahr mehr als 12 Millionen Tiere in Tierversuchen verwendet. Die Richtlinie 86/609 aus dem Jahr 1986 regelt Tierversuche in der EU und legt Mindeststandards fest, die in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Im November 2008 hat die EU-Kommission ihren Novellierungsentwurf vorgelegt, der nun von den Gremien der EU beraten wird. Über den Entwurf muss nun noch der Ministerrat abstimmen und schließlich – nach der Europawahl - das Parlament in zweiter Lesung.

Quelle: Ärzte gegen Tierversuche, Pressemitteilung vom 5. Mai 2009


Doch es wird weitermarschiert. Das sei noch am Rande erwähnt.

4 Kommentar(e) erwähnt:

Thialfi hat gesagt…

In einer Welt wie der unseren, in der ein "demokratisches" Land wie die USA behaupten, watergeboardete Menschen seinen nicht gefoltert worden, gibt es auch keine gequälten Tiere. Schließlich leiden die (oder sollte man besser sagen, machen die ihren Job?) Tiere dafür, dass die "Krone der Schöpfung" (sind wir das wirklich?) davon profitiert?

Gruß Thialfi

Gernot H. hat gesagt…

Ich bin für Tierversuche, weil sie uns so ähnlich sind,
ich bin für Tierversuche, weil sie wie wir funktionieren,
ich bin für Tierversuche, weil sie wie wir leiden und Schmerzen empfinden,
ich bin für Tierversuche, weil sie wie wir einfach leben wollen,
ich bin für Tierversuche, weil ich ein Mensch bin -

- weil ich ein Mensch bin?

Wäre ich nur menschlich, dann könnte ich Tierversuche niemals zulassen!

Noah hat gesagt…

Ja, Thialfi, in dem Tolstoi-Zitat steckt eine Wahrheit.

Gernot, das ist sehr gut geschrieben!

Thialfi hat gesagt…

Ja, Tolstoi wusste sicher, was er sagte, weil er die Menschen kannte.
@ Gernot, manchmal denke ich, es gibt Tiere, die sind menschlicher als die Bestie Mensch!
Gruß von Thialfi