Freitag, 22. Mai 2009

Das Milchmädchen

"Eine Senkung der Milchquote (...) lehnte Merkel ab. Zahlreiche Bauern seien dagegen, erklärte sie. Sie hätten viele Tiere in den Ställen stehen und seien darauf eingestellt, große Mengen zu produzieren. “Deshalb müssen wir eher über Exportstützungen gehen, über Sicherheitsnetze, die wir in Europa aufspannen können.“ (...) Die Ursache für den Preisanstieg sei eine allgemeine Überproduktion in der EU."

merkur-online.de: Merkel hilft Milchbauern

Wenn wir in Europa zuviel Milch produzieren, exportieren wir einfach den Überschuss nach Europa. Eine gute Idee, am Rande erwähnt.

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"Die auf Weidevieh spezialisierten Betriebe (hauptsächlich Rinder) tragen den wichtigsten Teil des Beitrages aller auf Viehwirtschaft spezialisierten Betriebe bei. Dieser Anteil steigt zeitgleich mit dem der auf Schweine- und Geflügelzucht spezialisierten Betriebe. Die Gemischtbetriebe verlieren an Bedeutung. 1995 waren nur 9% der auf Viehwirtschaft spezialisierten Betriebe in weiteren Arten der Viehwirtschaft aktiv. 1975 betrug dieser Anteil noch 22%.

Mit der Intensivierung der Landwirtschaft geht eine verstärkte Belastung der Umwelt einher. Die Viehwirtschaft wird in zunehmenden Maß von spezialisierten und teilweise extrem spezialisierten Betrieben und mit zunehmendem Einsatz intensiver landwirtschaftlicher Bewirtschaftungspraktiken durchgeführt. In Abhängigkeit von der genutzten landwirtschaftlichen Fläche und der zur Handhabung der Gülle eingesetzten Geräte, können die Umweltauswirkungen problematisch sein. Eine steigende Spezialisierung kann beispielsweise zu einer Erhöhung der Gülleausbringung auf dafür nicht geeigneten Betriebsflächen führen. Im Laufe der Jahre kann so ein Nitrat- oder Phospatspeicher entstehen. Die steigende Zahl von Tieren ist eine Hauptquelle für Ammoniakemissionen, die zu Versauerung des Boden und der Gewässer sowie zu Waldschäden durch sauren Regen beitragen. Landwirtschaftliche Praktiken, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind nicht notwendigerweise mit negativen Auswirkungen auf den Boden verbunden.

Rinder werden entweder zur Milch- oder Fleischproduktion gehalten: Die verstärkte Mechanisierung und Automatisierung hat zu bedeutenden strukturellen Veränderungen im Rindersektor geführt. Die Abnahme der Zahl der Betriebe bei einer etwa gleichbleibenden Anzahl von Rindern auf EU Ebene (80 Mio. in EU mit 9 Staaten in 1978 und 85 Mio. in EU 15 mit Staaten in 1995) hat zu einem Anstieg der Rinder pro Betrieb geführt. In den meisten Mitgliedsstaaten hat sich die Anzahl der Rinder pro Betrieb mit Rindern in den letzten 20 Jahren zumindest verdoppelt. (...)

Landwirtschaftliche Betriebe, die sich auf Rinder spezialisiert haben, stellen den extremsten Typ der Viehhaltung dar. 1995 waren 52% aller Viehbetriebe der EU 15 auf Rinder spezialisiert, von denen 59% Weideviehbetriebe waren. 53% der Rinderbetriebe waren 1995 spezialisiert (61% in EU 9). (...) Unter den bereits spezialisierten Rinderbetrieben sind die Milchbetriebe diejenigen der größten Spezialisierung. (...)

Diese Betriebe haben da sie keinen nomadisierende Viehzucht betrieben in der Regel eine bestimmbare Größe von Land für Futterpflanzen. Innerhalb der letzten 20 Jahre waren aber weder Futterpflanzen und Wiesen/Weiden zur Ernährung der Tiere in ausreichendem Maße vorhanden, noch reichte die landwirtschaftliche Nutzfläche aus, um die ansteigende Menge anfallender Gülle und Tierdung auszubringen. Die Landwirte waren gezwungen mehr Futtermittel zu kaufen, das z.T. importiert werden musste. Generell ist mit einer Erhöhung der Anzahl der Kühe pro Betrieb und pro Hektar angebauter Futterpflanzen eine erhöhte Belastung der Umwelt verbunden, ebenso wie mit einer Erhöhung des Anteils zugekaufter Futtermittel und des Milchertrags."

Uni Marburg: Allgemeine Entwicklungen in der EU in der Viehwirtschaft

Eine schwierige Einsicht: Je spezialisierter ein Betrieb ist, desto mehr ist er den Schwankungen des Marktes für das spezielle Produkt mit entsprechendem Existenzrisiko unterworfen. Wie gut, dass der Staat dann hilft, so wie er es z.B. auch bei insolventen Boutiquen tut, bei pleitegegangenen Musikalienhändlern und Frisören, sowie zahlungsunfähig gewordenen Elektofachbetrieben. Was aber nur am Rande erwähnt sei.


Ach ja, damit es auch bei Mentio nicht zu harmonisch wird, sollte noch am Rande erwähnt werden, dass es bei der Rindviehpolitik nur um Euros geht. Nicht, dass da noch jemand auf die Idee kommt, bei diesen glücklichen Produktionsfaktoren von Lebewesen zu sprechen. So etwas wie Ethik ist schließlich nichts für Alltag, Wirtschaft und Politik, sondern mehr was für den Kirchentag.

Sie kommt zu Europa und zur globalen Verantwortung (...). Einmal fängt ihr Gesprächspartner Timothy Gordon Ash, der britische Publizist, einen Satz an: "Damit das hier nicht zu harmonisch wird ..." Angela Merkel bekräftigt: "Ja, kritisch soll es sein, gerade auf dem Kirchentag." Ein Milchbauer schreit durch die Halle: "Wir brauchen einen Milchgipfel!"

süddeutsche.de: Symbiose auf wankendem Schiff

Halleluja.

4 Kommentar(e) erwähnt:

Sysiphos hat gesagt…

Die EU hat doch mit ihrer Landwirtschaftspolitik die jetzigen Probleme geschaffen bzw. verschärft.
Eine artgerechte Haltung bringt vielleicht weniger Milch, aber dann kostet das so erzeugte gute Produkt etwas mehr und auch der Bauer kann davon leben. Die Bio-Landwirtschaft macht es vor. Die in unserer Gesellschaft propagierte "Geiz-ist-geil"_Mentalität will so etwas natürlich nicht.

Thialfi hat gesagt…

Das hast Du schön aufgezeigt, wie der Wahnsinn die Politidioten erfasst hat und sie sich in eine Spirale hineinsubventioniert haben, aus der es scheinbar kein Entrinnen gibt:
Man fördert die Massenhaltung von Rindvieh, deren hochgezüchtete Turborassen dann ungeheure Mengen an Milch produzieren (vermutlich nicht ganz so hochwertig wie Biomilch, aber sei´s d´rum). Um diese Rindviecher zu füttern, muss Futter aus dem Ausland (vermutlich Genmais und Gensoja aus ÖLändern der Dritten Welt) zugekauft werden. Die Folge ist, die wertvollen landwirtschaftlichen Flächen in diesenLändern werden nicht zur Erzeugung von Nahrung genutzt, sondern für Futterpflanzen, mit denen die europäischen Milchbauern ihre Viecher füttern.
Zum Ausgleich wird der Export der Milch, die auf Grund der Menge hier niemand "saufen" kann (subventioniert) in Ausland verschoben.
Da hier die Milchbauern nur überleben können, wenn sie Unmengen subventionierte Milch erzeugen, stellen sie noch mehr Kühe in die Ställe und so weiter und si fort...
Also ich finde, das hat eine bestechende Logik, oder nicht? Da weiss man wenigstens, wo unser Geld versickert und das ist ja schon mal was!
Es lebe 60 Jahre Bundesrepublik und 60 Jahre Grundgesetz, sowie 60 Jahre subventionierte Landwirtschaft!

Liebe Grüße sendet Andrej

Noah hat gesagt…

Ja, Sysiphos und Thialfi, ist es nicht drollig, wie Menschen und ihre Politik funktionieren? Vielleicht sollten wir mal die Piraten ranlassen?

Thialfi hat gesagt…

Schon möglich, dass sich dann wat ändert, allein mir fehlt der Glaube! Irgendwie kann ich auch mit dem Namen nix anfangen. Weiss auch nich warum.
Aber egal, ich hab schon gewählt, muahaha und es war definitiv nich Angla M. auf dem Wahlzettel.
Aber das drolligste an der ganzen Sache is doch eigentlich: Menschen funktionieren meist, Politik nie...
Es grüßt erneut Andrej