Derzeit kursiert in den Medien eine Meldung, dass nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Frauen im Schnitt 23 Prozent weniger verdienen als Männer.
Warum auch sollte das anders sein? Frauen haben zwar einen ähnlichen Körperbau wie Männer, aber nicht einen identischen. Auch die Psyche von Mann und Frau funktionieren leicht anders, was aus dem evolutionären Erbe folgt. Mann und Frau sind nicht gleich. Warum also sollte man sie gleich behandeln?
Ähnlich lässt sich fragen z.B. in Bezug auf Hautfarbe, Nationalitäts- oder Religionszugehörigkeit. Wieso darf in den USA ein Farbiger Präsident werden? Warum sollten Muslime nicht religiös motivierte Krieg führen gegen Christen, Antisemiten gegen Juden, oder Serben gegen Kroaten?
Der in Art. 3 Grundgesetz für Deutschland (ähnlich auch in anderen Ländern) normierte Gleichheitssatz basiert eigentlich auf philosophischen Erwägungen und geht bereits auf Aristoteles zurück. Das Bundesverfassungsgericht hatte schon früh dazu ausgeführt, dass es bei dem Gleichheitssatz nicht darum geht, alles gleich zu behandeln. Vielmehr darf wesentlich Gleiches nicht willkürlich ungleich bzw. wesentlich Ungleiches nicht willkürlich gleich behandelt werden. Das Handeln ist insoweit an Differenzierungskriterien und sachliche, allgemein nachvollziehbare Gründe anzuknüpfen – was eben auch moralphilosophisch (ethisch) grundlegende Bedeutung hat.
Mann und Frau sind nicht gleich. Aber die Geschlechtszugehörigkeit ist für moderne Menschen eben gerade nicht das Differenzierungskriterium im Hinblick auf politisches Wahlrecht, Berufstätigkeit oder Arbeitslohn. Wir haben Kriterien, nach denen Frauen nicht gerechte Entlohnung und einem Farbigen nicht ein Präsidentenamt verweigert werden darf.
Der moderne Mensch scheint sich also als ein rational-ethisch fortschrittliches Wesen zu zeigen; und wer fordert, Frauen müssen wieder zurück an den Herd statt in das Berufsleben, gilt als unaufgeklärter Reaktionär.
Dieser Tage sah ich eine Reportage über eine Viehauktion. Stolz präsentierten die Züchter ihre „landwirtschaftlichen Spitzenprodukte“ – Kühe mit überzüchteten Rieseneutern, die mit dem Dampfstrahlgerät für die anstehende Versteigerung „hübsch gemacht“ wurden.
Warum eigentlich kann man keine mit Dampfstrahlgerät hübsch gemachten Frauen auf Auktionen ersteigern? Warum eigentlich schleicht sich bei manchen Menschen ein Gefühl der Empörung ein, wenn man eine solche Frage überhaupt nur formuliert?
Was sind in einem solchen Fall die Differenzierungskriterien, an denen man Gleich- und Ungleichbehandlung von Mensch und Tier ethisch anknüpft?
Für die allermeisten Menschen ist es das Kriterium der Zugehörigkeit zur Spezies Mensch. Dieses Kriterium allein soll genügen, dass Menschen Tiere nutzen, ausnutzen, einsperren, quälen und töten dürfen. Aber kann dieses Kriterium moralphilosophisch bestehen? Ist es ein rationales Kriterium?
Wodurch unterscheidet sich – rational ethisch betrachtet - der Mensch vom Tier?
Hier gilt es zu beachten, dass Ethik an sich zwar Abstraktion beinhaltet, ethisch motiviertes, konkretes Handeln jedoch gerade nicht abstrakten Gruppierungen, nicht Zahlen, sondern stets einzelnen Individuen gilt. Die Frage nach ethisch richtigem Handeln stellt sich in der Regel nicht danach, was die Folgen des Handelns für eine Gruppe von Individuen bedeuten, sondern für die Individuen, die diese Gruppe bilden (in unserem Eingangsbeispiel: Es geht nicht um „die Frauen“, sondern um die konkreten Menschen, die der Gruppe „Frau“ angehören).
Was also ist das Kriterium, dass ein Mensch z.B. eine Kuh einsperren und töten (oder töten lassen) darf?
Ist es die Notwendigkeit zu überleben? Nein. Zumindest in Wohlstandsländern wie dem unseren ist ein gesundes Überleben in keiner Weise mehr von tierischen Produkten abhängig – da mögen sich noch so viele (letztlich unbelegte) Gerüchte halten.
Ist es die physiognomische Unterscheidung des Menschen vom Tier? Nein. Ein Schimpanse kann sehr viel mehr Ähnlichkeit mit einem „normalen“ Menschen haben als ein stark missgebildeter Mensch. Würde man die Tötung eines missgebildeten Menschen als ethisch gerechtfertigt ansehen?
Ist es die Fähigkeit des Menschen zum Denken, zur moralischen Einsicht, zum ethischen Handeln? Nun, es wird auch in der Fachwelt noch darüber gestritten, ob und inwieweit Tiere beispielsweise denken können. Aber es gibt auch Menschen, wie Neugeborene, oder stark geistig Behinderte, deren Denkleistung nicht z.B. die eines Gorillas übersteigt, die weder zu moralischen Bewertungen noch zu ethischem Handeln befähigt sind. Ist es damit ethisch unproblematisch, ein Neugeborenes zu töten oder einen geistig behinderten Menschen in einen Käfig zu sperren? Wohl kaum.
Fragen dieser Art gibt es viele, und sie wurden im tierethischen Diskurs ausführlich erörtert. Am Ende bleibt für die Ungleichbehandlung immer nur ein Kriterium: das kulturell verfestigte, letztlich aber ethisch beliebige Kriterium der Zugehörigkeit zur Spezies Mensch.
Hingegen gibt es durchaus Kriterien, die eine Gleichbehandlung von Mensch und Tier einfordern müssten. Wir erinnern uns: Wesentlich Gleiches darf nicht willkürlich ungleich, und wesentlich Ungleiches darf nicht willkürlich gleich behandelt werden – rechtlich, wie auch moralphilosophisch.
Mensch und Tier sind nicht gleich. Aber auch Mensch und Mensch sind nicht gleich. Es gibt Männer und Frauen, Weiße und Schwarze, Intelligente und Dumme, usw. Die Gleichberechtigung wird nicht festgemacht an äußerem Erscheinen, nicht an Intelligenz oder Einsichtsfähigkeit. Wesentliche Kriterien für bspw. die Menschenrechte sind aber die Empfindungs- und Leidensfähigkeit grundsätzlich aller Menschen, das Bestreben nach Freiheit, Schutz der eigenen Gesundheit und des Lebens. Genau das aber gilt auch für (zumindest „höhere“) Tiere. In diesen Kriterien sind Mensch und Tier als gleich anzusehen, woraus sich konsequenterweise auch die Gleichberechtigung ergeben müsste.
Warum aber besteht diese Gleichberechtigung nicht? Warum werden Tiere zur Nahrungsproduktion gehalten und getötet, oder als lebendiges Spielzeug in Käfige oder Zwinger gesperrt, als Freizeitbeschäftigung gejagd oder geangelt, obwohl sie doch in den maßgeblichen Kriterien dem Menschen gleich sind, empfinden und leiden können, Schmerz und Lust spüren können, Drang nach Freiheit und einem ihrer Art entsprechenden Leben haben? Warum handelt die Masse der Menschen hier nicht nach ethisch-rationalen Kriterien?
Der Mensch ist eben kein ethisch-rationales Wesen. Da kann er noch so viel Intellekt und Technisierung hervorgebracht haben oder den letzten Geheimnissen der Wissenschaft auf der Spur sein.
So lange der einzelne Mensch nicht bereit ist, selbst ethische Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, solange er seine Motivation nur aus kultureller Prägung, Egoismus und dem Tun der Masse bezieht, solange hat die kognitive Dissonanz keine Chance auf einen Durchbruch in die Rationalität. Mit der Bratwurst in der Hand werden sich weiterhin tierliebe Menschen darüber ereifern, wie schlecht der Nachbar doch seinen Hund oder seine Katze behandelt.
Der Verfasser dieser Mentio war da nicht anders. Selbstredend ist er kein besserer Mensch. Als Sonderling allerdings ließ er es vor einigen Jahren zu, dass Menschen ihm solche Gedanken nahe brachten, wie sie diese heutige Mentio in groben Zügen äußert (und mit denen man sich nicht gerade Freunde schafft). So stieg er ein in das Thema Tierethik und Speziesismus, und brachte endlich sein Empfinden mit seiner Ratio in Einklang. Heute fragt er sich, wie es überhaupt geschehen konnte, dass er so viel Leid und Tod bei Tieren durch seine Lebensführung und Gedankenlosigkeit, seinen Egoismus (es schmeckte ja so gut) und seine allgemein-psychisch veranlasste Denkblockade (Seeking-and-Avoiding) hat mitverschulden können. Er lebt nach wie vor mit Menschen zusammen, die eine „normale“ Lebensführung bevorzugen, und er sieht, dass diese keine schlechteren Menschen sind (was sind eigentlich die Kriterien für das Gut- oder Schlechtsein eines Menschen?). Seine Beobachtungen – in allen möglichen Lebensbereichen - führen regelmäßig zu dem Schluss: Der Mensch ist im Allgemeinen kein rationales Wesen. Wäre er es, sähe die Welt anders aus. Auch auf dem Herd.
Vor wenigen Tagen hat Papst Benedikt XVI. in Jaunde bekräftigt, dass wahre Religion den Horizont des Menschen erweitert und alle Formen von Gewalt und Totalitarismus verwirft; das beruhe nicht allein auf den Glaubensgrundsätzen, sondern auch auf der Vernunft. „Alle Formen“! „Vernunft“! Wird Benedikt nun ein neuer Gandhi? Wird die Welt nun doch vegan?
Dass der Verfasser dieser Mentio diese zwei letzten, bissigen Fragen stellt, zeigt nun in der Tat, dass er wirklich kein guter Mensch ist, sogar ein ganz schönes Ar...... sein kann. Naja, Noah ist damals von Gott ja auch nicht zum Archekapitän bestimmt worden, weil er ein guter Mensch war, sondern weil er anders war. Aus Sicht mancher Menschen geradezu penetrant anders. Und sie haben ihm nie verziehen (vor allem im Sommer nicht), dass er auch ein Pärchen Mücken mit auf die Arche nahm. Doch das sei nur am Rande erwähnt.
P.S.:
Warum auch sollte das anders sein? Frauen haben zwar einen ähnlichen Körperbau wie Männer, aber nicht einen identischen. Auch die Psyche von Mann und Frau funktionieren leicht anders, was aus dem evolutionären Erbe folgt. Mann und Frau sind nicht gleich. Warum also sollte man sie gleich behandeln?
Ähnlich lässt sich fragen z.B. in Bezug auf Hautfarbe, Nationalitäts- oder Religionszugehörigkeit. Wieso darf in den USA ein Farbiger Präsident werden? Warum sollten Muslime nicht religiös motivierte Krieg führen gegen Christen, Antisemiten gegen Juden, oder Serben gegen Kroaten?
Der in Art. 3 Grundgesetz für Deutschland (ähnlich auch in anderen Ländern) normierte Gleichheitssatz basiert eigentlich auf philosophischen Erwägungen und geht bereits auf Aristoteles zurück. Das Bundesverfassungsgericht hatte schon früh dazu ausgeführt, dass es bei dem Gleichheitssatz nicht darum geht, alles gleich zu behandeln. Vielmehr darf wesentlich Gleiches nicht willkürlich ungleich bzw. wesentlich Ungleiches nicht willkürlich gleich behandelt werden. Das Handeln ist insoweit an Differenzierungskriterien und sachliche, allgemein nachvollziehbare Gründe anzuknüpfen – was eben auch moralphilosophisch (ethisch) grundlegende Bedeutung hat.
Mann und Frau sind nicht gleich. Aber die Geschlechtszugehörigkeit ist für moderne Menschen eben gerade nicht das Differenzierungskriterium im Hinblick auf politisches Wahlrecht, Berufstätigkeit oder Arbeitslohn. Wir haben Kriterien, nach denen Frauen nicht gerechte Entlohnung und einem Farbigen nicht ein Präsidentenamt verweigert werden darf.
Der moderne Mensch scheint sich also als ein rational-ethisch fortschrittliches Wesen zu zeigen; und wer fordert, Frauen müssen wieder zurück an den Herd statt in das Berufsleben, gilt als unaufgeklärter Reaktionär.
Dieser Tage sah ich eine Reportage über eine Viehauktion. Stolz präsentierten die Züchter ihre „landwirtschaftlichen Spitzenprodukte“ – Kühe mit überzüchteten Rieseneutern, die mit dem Dampfstrahlgerät für die anstehende Versteigerung „hübsch gemacht“ wurden.
Warum eigentlich kann man keine mit Dampfstrahlgerät hübsch gemachten Frauen auf Auktionen ersteigern? Warum eigentlich schleicht sich bei manchen Menschen ein Gefühl der Empörung ein, wenn man eine solche Frage überhaupt nur formuliert?
Was sind in einem solchen Fall die Differenzierungskriterien, an denen man Gleich- und Ungleichbehandlung von Mensch und Tier ethisch anknüpft?
Für die allermeisten Menschen ist es das Kriterium der Zugehörigkeit zur Spezies Mensch. Dieses Kriterium allein soll genügen, dass Menschen Tiere nutzen, ausnutzen, einsperren, quälen und töten dürfen. Aber kann dieses Kriterium moralphilosophisch bestehen? Ist es ein rationales Kriterium?
Wodurch unterscheidet sich – rational ethisch betrachtet - der Mensch vom Tier?
Hier gilt es zu beachten, dass Ethik an sich zwar Abstraktion beinhaltet, ethisch motiviertes, konkretes Handeln jedoch gerade nicht abstrakten Gruppierungen, nicht Zahlen, sondern stets einzelnen Individuen gilt. Die Frage nach ethisch richtigem Handeln stellt sich in der Regel nicht danach, was die Folgen des Handelns für eine Gruppe von Individuen bedeuten, sondern für die Individuen, die diese Gruppe bilden (in unserem Eingangsbeispiel: Es geht nicht um „die Frauen“, sondern um die konkreten Menschen, die der Gruppe „Frau“ angehören).
Was also ist das Kriterium, dass ein Mensch z.B. eine Kuh einsperren und töten (oder töten lassen) darf?
Ist es die Notwendigkeit zu überleben? Nein. Zumindest in Wohlstandsländern wie dem unseren ist ein gesundes Überleben in keiner Weise mehr von tierischen Produkten abhängig – da mögen sich noch so viele (letztlich unbelegte) Gerüchte halten.
Ist es die physiognomische Unterscheidung des Menschen vom Tier? Nein. Ein Schimpanse kann sehr viel mehr Ähnlichkeit mit einem „normalen“ Menschen haben als ein stark missgebildeter Mensch. Würde man die Tötung eines missgebildeten Menschen als ethisch gerechtfertigt ansehen?
Ist es die Fähigkeit des Menschen zum Denken, zur moralischen Einsicht, zum ethischen Handeln? Nun, es wird auch in der Fachwelt noch darüber gestritten, ob und inwieweit Tiere beispielsweise denken können. Aber es gibt auch Menschen, wie Neugeborene, oder stark geistig Behinderte, deren Denkleistung nicht z.B. die eines Gorillas übersteigt, die weder zu moralischen Bewertungen noch zu ethischem Handeln befähigt sind. Ist es damit ethisch unproblematisch, ein Neugeborenes zu töten oder einen geistig behinderten Menschen in einen Käfig zu sperren? Wohl kaum.
Fragen dieser Art gibt es viele, und sie wurden im tierethischen Diskurs ausführlich erörtert. Am Ende bleibt für die Ungleichbehandlung immer nur ein Kriterium: das kulturell verfestigte, letztlich aber ethisch beliebige Kriterium der Zugehörigkeit zur Spezies Mensch.
Hingegen gibt es durchaus Kriterien, die eine Gleichbehandlung von Mensch und Tier einfordern müssten. Wir erinnern uns: Wesentlich Gleiches darf nicht willkürlich ungleich, und wesentlich Ungleiches darf nicht willkürlich gleich behandelt werden – rechtlich, wie auch moralphilosophisch.
Mensch und Tier sind nicht gleich. Aber auch Mensch und Mensch sind nicht gleich. Es gibt Männer und Frauen, Weiße und Schwarze, Intelligente und Dumme, usw. Die Gleichberechtigung wird nicht festgemacht an äußerem Erscheinen, nicht an Intelligenz oder Einsichtsfähigkeit. Wesentliche Kriterien für bspw. die Menschenrechte sind aber die Empfindungs- und Leidensfähigkeit grundsätzlich aller Menschen, das Bestreben nach Freiheit, Schutz der eigenen Gesundheit und des Lebens. Genau das aber gilt auch für (zumindest „höhere“) Tiere. In diesen Kriterien sind Mensch und Tier als gleich anzusehen, woraus sich konsequenterweise auch die Gleichberechtigung ergeben müsste.
Warum aber besteht diese Gleichberechtigung nicht? Warum werden Tiere zur Nahrungsproduktion gehalten und getötet, oder als lebendiges Spielzeug in Käfige oder Zwinger gesperrt, als Freizeitbeschäftigung gejagd oder geangelt, obwohl sie doch in den maßgeblichen Kriterien dem Menschen gleich sind, empfinden und leiden können, Schmerz und Lust spüren können, Drang nach Freiheit und einem ihrer Art entsprechenden Leben haben? Warum handelt die Masse der Menschen hier nicht nach ethisch-rationalen Kriterien?
Der Mensch ist eben kein ethisch-rationales Wesen. Da kann er noch so viel Intellekt und Technisierung hervorgebracht haben oder den letzten Geheimnissen der Wissenschaft auf der Spur sein.
So lange der einzelne Mensch nicht bereit ist, selbst ethische Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, solange er seine Motivation nur aus kultureller Prägung, Egoismus und dem Tun der Masse bezieht, solange hat die kognitive Dissonanz keine Chance auf einen Durchbruch in die Rationalität. Mit der Bratwurst in der Hand werden sich weiterhin tierliebe Menschen darüber ereifern, wie schlecht der Nachbar doch seinen Hund oder seine Katze behandelt.
Der Verfasser dieser Mentio war da nicht anders. Selbstredend ist er kein besserer Mensch. Als Sonderling allerdings ließ er es vor einigen Jahren zu, dass Menschen ihm solche Gedanken nahe brachten, wie sie diese heutige Mentio in groben Zügen äußert (und mit denen man sich nicht gerade Freunde schafft). So stieg er ein in das Thema Tierethik und Speziesismus, und brachte endlich sein Empfinden mit seiner Ratio in Einklang. Heute fragt er sich, wie es überhaupt geschehen konnte, dass er so viel Leid und Tod bei Tieren durch seine Lebensführung und Gedankenlosigkeit, seinen Egoismus (es schmeckte ja so gut) und seine allgemein-psychisch veranlasste Denkblockade (Seeking-and-Avoiding) hat mitverschulden können. Er lebt nach wie vor mit Menschen zusammen, die eine „normale“ Lebensführung bevorzugen, und er sieht, dass diese keine schlechteren Menschen sind (was sind eigentlich die Kriterien für das Gut- oder Schlechtsein eines Menschen?). Seine Beobachtungen – in allen möglichen Lebensbereichen - führen regelmäßig zu dem Schluss: Der Mensch ist im Allgemeinen kein rationales Wesen. Wäre er es, sähe die Welt anders aus. Auch auf dem Herd.
Vor wenigen Tagen hat Papst Benedikt XVI. in Jaunde bekräftigt, dass wahre Religion den Horizont des Menschen erweitert und alle Formen von Gewalt und Totalitarismus verwirft; das beruhe nicht allein auf den Glaubensgrundsätzen, sondern auch auf der Vernunft. „Alle Formen“! „Vernunft“! Wird Benedikt nun ein neuer Gandhi? Wird die Welt nun doch vegan?
Dass der Verfasser dieser Mentio diese zwei letzten, bissigen Fragen stellt, zeigt nun in der Tat, dass er wirklich kein guter Mensch ist, sogar ein ganz schönes Ar...... sein kann. Naja, Noah ist damals von Gott ja auch nicht zum Archekapitän bestimmt worden, weil er ein guter Mensch war, sondern weil er anders war. Aus Sicht mancher Menschen geradezu penetrant anders. Und sie haben ihm nie verziehen (vor allem im Sommer nicht), dass er auch ein Pärchen Mücken mit auf die Arche nahm. Doch das sei nur am Rande erwähnt.
P.S.:
Gerichtlich bestätigt: "Tiere dürfen nicht getötet werden". Konsequenterweise werden nun alle Schlachthäuser geschlossen und auch die Jagd verboten. Das Thema dürfte sich also bald selbst erledigt haben.

10 Kommentar(e) erwähnt:
Also, das mit den Mücken, dass nehme ich dem Noah mit seiner Arche auch übel, persönlich und ewig, da kann ich sehr nachtragend sein.
Ansonsten denke ich schon, dass der Mensch nur deswegen Fleisch ist, weil er sich von der Tötung dadurch befreit hat, dass er es andere erledigen lässt und dann darauf verweisen kann, dass das Fleisch ja nun auf der Theke liegt, ob er es jetzt kauft oder nicht. In früheren Zeiten war es wohl so, dass der Mensch, wenn er jagte, eine ganz andere Einstellung zu seinem Opfer hatte, als das heute der Fall ist. Damals bat man das Tier und die Geister/Götter um Verzeihung, erklärte, warum man es töten musste (nämlich um selber zu überleben) und tötete und verwertete dann das ganze Tier. Als der Mensch begann, Tiere in seinem unmittelbaren Umfeld zu züchten, damit er sich die Mühen der Jagd erspare, änderte sich das Verhältnis drastisch. Man begann die Tiere auszunutzen und auszubeuten und dann, um an das feine Fleisch zu kommen, tötete man sie. Übrigens kommt der Hinweis von Bauern nicht von ungefähr, wenn sie sagen:"Ein Tier, dem man einen Namen gibt, isst man nicht!" Darum strebt man danach, das Opfer (hier das Tier, das geschlachtet wird) von Verbraucher (der das Fleisch "frisst") sauber zu trennen. So wird verhindert, dass eine Beziehung zwischen beiden entsteht und der Verbraucher darüber nachdenkt, ob das was er tut und isst, auch richtig ist. So, wie es jetzt ist, kanne er einfach in den Laden gehen, Fleisch kaufen und dann zu Hause im stillen Kämmerlein sein Schnitzelchen fressen. Verdrängung wird ihm so leicht gemacht. Deshalb ist es so wichtig, das Leid der Tiere für den Verbraucher sichtbar und sehr deutlich darzustellen.
Ich habe mich übrigens nach Deinem Hinweis auf die Qualen der gepeinigten Kaninchen in den Tier-KZ´s entschlossen, dem Konsum von Fleisch vollständig zu entsagen. Das Leid ist es nicht wert, dass Tiere dafür solche Opfer bringen müssen. Ich werde in Zukunft mein "Fleisch" - wie in meinem Blog erwähnt - selbst und aus Weizenmehl herstellen. Meine ersten Erfahrungen waren exzellent und meine Experimentierfreude ist darob ungebremst.
Liebe Grüße von Thialfi
Na, da steht ja VIEL drin in diesem Beitrag. Wie Du von den Eutern der Kühe weiter gehst zu den Menschen und umgekehrt ... Hm, wäre MEINER Meinung nach eher Stoff für zwei UNTERSCHIEDLICHE Beiträge.
Daß Frauen WENIGER bezahlt werden, finde ich auch SCHLECHT. Aber das liegt doch vor allem an folgendem: Weil in unserer Wirtschaft und Gesellschaft ÜBERHAUPT SOZIALE Berufe SCHLECHTER bezahlt werden als technische usw.. DA liegt der Hase im Pfeffer.
Und wenn eine Frau ihre eigenen Kinder zu Hause erzieht, statt sie in den Kinderhort und Kindergarten zu bringen - welch ein Frevel übrigens! - dann wird sie dafür ÜBERHAUPT nicht dem rein wirtischaftlichen Wert ihrer Tätigkeit gemäß bezahlt.
Ein RIESEN Mißstand in unserer Gesellschaft. Gerade die VERSCHIEDENARTIGKEIT der Geschlechter ist meiner Meinung nach das wichtigste Argument dafür, daß Frauen BESSER bezahlt werden müssen, weil sie MINDESTENS Gleichwertiges leisten wie die Männer, MINDESTENS Gleichwertiges - aber oft auf ganz anderen, viel wichtigeren, für das Überleben und die Kultur von Gesellschaften wichtigeren Gebieten.
Oh, da könnte man noch so manche Philippika schreiben über die implizite Frauen-Verachtung in unserer Gesellschaft. Da die Männer die Frauen nicht genügend achten, achten diese auch sich selbst nicht genügend.
Und kein Pfaffe bricht in flammende Empörung über all diese Dinge aus ....
Hallo Thialfi,
ja, Distanz und Verdrängung spielen sicherlich ein große Rolle. Gleichgültigkeit und ein dumpfes Bewusstsein kommen oft dazu. Und daneben gibt es auch viele Menschen, die einfach nur sehr roh sind.
Hallo Ingo,
allerdings gibt es auch viele Männer, die mehr leisten als Frauen (und manche Mütter). Ich denke, es lässt sich nur differenziert angehen. Gleiche Arbeit sollte auch gleich bezahlt werden - kein Thema. Mutterschaft/Vaterschaft vom Staat (von der Allgemeinheit) mehr bezahlen lassen - dafür wäre ich nicht. Im Übrigen, was unsere Gesellschaft und Kultur angeht, bin ich nicht der Ansicht, dass sie unbedingt überleben sollte.
Der Staat sind wir.
Die Kinderaufzucht-Kosten müssen auf ALLE umgelegt werden, sonst entsteht massive soziale Ungerechtigkeit und Generationenungerechtigkeit.
Schon zu Adenauers Zeiten hätte zu der damaligen Rentenreform eine Familienreform gestellt werden müssen.
Eltern mit Kindern leisten erheblich mehr zu Finanzierung künftiger Renten als Kinderlose. Und das bildet sich in den finanziellen Transfers, die durch unseren Staat nur reguliert werden, in KEINER Weise ab.
Weil im traditionellen Denken, Familie "von selbst" funktioniert. Das ist aber ganz offensichtlich nicht wahr.
Wenn heute Männer und Frauen kein Kind bekommen oder kein weiteres, dann steht AUCH Geld als eines der Hauptursachen im Vordergrund, wie letztes Jahr ein große Umfrage erbracht hat.
NATÜRLICH muß unsere abendländische Gesellschaft mit all den Werten und dem Wissen und dem Können, die sie hervorgebracht hat, und die keine andere Gesellschaft der Weltgeschcihte hervorgebracht hat, überleben. Über all die vielen Mißstände darf man doch nicht in selbstmörderischer WEise übersehen, wie viel Zukunftsweisendes es in unserer Gesellschaft gibt.
Auch die Geschichte der letzten 100 Jahre, auch nicht die der letzten 1000 Jahre war NICHT sinnlos.
Viele Gedanken habe ich dazu, Ingo, allein die Zeit fehlt leider.
Selbstredend werden Meinungen zu einzelnen Punkten geprägt durch eine allgemeinere (individuelle) Sicht, die wiederum durch viele Aspekte geprägt wurde und wird. Das macht die Kommunikation über eine Blog-Kommentardiskussion u.U. zu einer heiklen Sache...
Mir geht es nicht um das Verwerfen von Werten, die wichtig für das Wohl von Individuen sind - Werte wie das Ideal der Freiheit (welche nicht nur relativ ist, sondern - jedenfalls unter dem Maßstab, den ich anzulegen wage - realiter dem Ideal auch nicht sonderlich nahe kommt). Werte dieser Art sehe ich aber nicht geknüpft an bestimmte Gesellschaften.
Wir werden uns einig sein, dass eine Gesellschaft - mindestens heute - kein abgeschlossenes, sondern ein offenes System darstellt. Soweit steter Wandel, oder auch ein gezielter partieller Umbruch, dieses System nicht nur in Teilen, sondern vlt. auch prinzipiell strukturell verändert, kann ich keinen rationalen Grund erkennen, warum man eine Gesellschaft an diesem Wandel hindern sollte. Ob dieser Wandel nun besser oder schlechter als ein bestimmter Status quo ist, lässt sich nicht per se objektiv bemessen, da hier wiederum die individuelle Sicht den Bewertungsmaßstab bestimmt (es sei denn, man lässt definitorisch als objektiv gelten, was die Mehrheit als Urteil fällt).
Aus meiner Sicht ist unsere Gesellschaft (und nicht nur unsere), vlt. der heutige Mensch allgemein, geprägt von Anthropozentrik und einem großmaßstäblichen Egoismus. In vielen Bereichen würde ich nicht von Missständen sprechen, sondern von einem apallischen Syndrom. Eine komatöse Gesellschaft künstlich am Leben zu erhalten ist für einen extremen Bengel wie mich nicht plausibel.
Aber da spielt ja so viel hinein. Wissen (oder Können) z.B. ist für mich kein Wert an sich. Woraus man Wissen gewinnt, auf welche Weise, und wozu man es nutzt, DAS hat mit Werten zu tun. Wieviel Wissen wurde und wird gewonnen um einen Preis, den ich als nicht gerechtfertigt ansehe...
Meine Spiritualität ist für meine Sichtweise grundlegend. Über diese, ihre Art und "Inhalte", spreche ich nicht mehr (dir wird aufgefallen sein, dass mein Mystik-Blog schon eine ganze Weile nicht mehr einsehbar ist). Aber sie bewirkt, dass ich nicht national, nicht kulturell eingegrenzt, nicht (mehr) anthropozentrisch und nicht speziesistisch denken (und erleben) kann. Die entsprechenden Fragen allerdings stelle ich rational. Warum setzen sich nicht alle Menschen zusammen, schaffen die Waffen ab, verteilen die Güter gerecht und regeln das mit der Ökologie dieses Planeten? Allen ginge es besser, da habe ich keinen Zweifel - selbst wenn es für Einige (mal ehrlich: eine Minderheit auf diesem Planeten) mit einem Verzicht verbunden wäre?
Warum beenden wir nicht einfach das ganze Tierleid dadurch, dass wir schlicht unser Konsumverhalten ändern? Warum beginnen wir nicht ernsthaft, ein Ende der ökologischen Probleme einzuläuten, vor allem unsere unvernünftig ungezügelte (globale) Vermehrung zu stoppen? Usw.usf. Wäre das wirklich unvernünftig (ganz unabhängig von der Frage, ob es realistisch ist)?
Die Antwort ist für mich einfach: Der Mensch ist eben kein rational bestimmtes Wesen (und deswegen sind letztgenannte Gedanken auch nicht realistisch). Er nutzt seine rationale Begabung für alles mögliche, für Technik, Medizin, Ökonomie, Wissenschaft. Es gelingt ihm aber nicht, sich selbst rational zu bestimmen. Er ist ein unbemerkt der Hybris unterworfener Hering, ein sehr bequemer dazu. Ein schwärmerischer Hybrid sozusagen. (Rational bedeutet für mich übrigens nicht abgekoppelt von Emotional - aber das ist wieder ein anderes Thema).
Aber nun habe ich schon weit mehr geschrieben als ich eigentlich Zeit habe. Falls du es bis hierhin mit meinen Gedanken ausgehalten haben solltest: Danke, und einen Gruß an dich.
All die von Dir beklagten Mißstände ergeben sich aus einer Eigenschaft, die den Menschen - soweit wir wissen - einzigartig macht im Kosmos:
nämlich aus seiner Freiheit für Gut und Böse.
Besäße er diese Freiheit nicht, wie könnte nur irgend etwas von dem, was wir als "gut" empfinden (oder als böse) wirklich "gut" (oder böse) sein?
Menschen sind keine Automaten. Man kann sie nicht zum Guten zwingen oder programmieren - auch nicht genetisch.
Daß ist das Menschliche an uns, daß an uns mehr Wurm ist als "Göttergleiches".
Es wäre auch durchaus nicht zu wünschen, daß Menschen gezwungen WÜRDEN zum Guten: Sie sollen es aus freier innerer Haltung heraus tun. Sonst ist es - doch - im innersten Kern wertlos, was sie tun. (Ich meine, aus MENSCHLICHER Sicht. Wir haben - fast - unbegrenzte Potentiale durch unser Großhirn.)
Natürlich ist es ein gewaltiges Geschehen, wenn es denn wirklich einmal - im Persönlichen oder im Allgemeinen - eine Wendung zum Besseren hin gibt. Aber wann?
Das einzige, das wir im Leben lernen müssen, ist zu leiden ohne zu klagen. (Mehr oder weniger.) Und eisern daran festhalten, daß Werte existieren, um die es sich zu leben lohnt.
Ingo,
mit gut und böse hat das nur selten zu tun.
Beispiel: Ein Kollege von mir ist Jäger. Die Jagd ist für mich völlig inakzeptabel, und ich kann solches Handeln in keiner Weise verstehen. Er tötet Lebewesen, die ich als meine Brüder und Schwestern erlebe. Dennoch kommen wir sehr gut miteinander aus, und wenn ich schon kategorisieren müsste, würde ich sagen, er ist ein "guter Mensch". Vielleicht ein "besserer" als ich.
Das Ganze ist keine Sache von Entscheidung für oder gegen Gut und Böse. So wie auch Menschen von Nationen, die Kriege führen, sich meist nicht freiheitlich für oder gegen Gut und Böse entscheiden. Es ist eine Sache von Bewusstsein, Bewusstheit, und der Öffnung zugunsten der Weitung von Bewusstsein. Psychologisch völlig normale Blockaden (wie das angesprochene "seeking and avoiding") stehen da meist im Wege. Und da lässt sich nicht von Freiheit des Geistes sprechen. Vielleicht hängt der Grad der Freiheit ja wesentlich ab vom Grad des Bewusstseins, vielleicht aber nicht mal da. Wie frei sind wir überhaupt im Kampf gegen uns selbst?
Potentiale, wie moralische Werte, sind Keime, Bewusstseinskeime. Keime, die zum Wachstum angeregt werden können, oder auch zertreten werden können. Menschliches Verhalten, Moral (als Verhaltensreglement) lässt sich auch begreifen als ein Straßennetz mit Verkehrsregeln. Straßen, auf denen man ein Leben lang hin und her fahren (oder gehen) kann, mal hierhin, mal dorthin (und trotz kleinerer Unfälle sich an die Regeln haltend - moralisch). Immer wieder gibt's da auch mal ein Verkehrschaos, so wie möglicherweise zur Zeit...
Aber auch Straßen, die in ein weites Land führen können, wenn man einmal die Richtung dorthin gewählt hat, und trotz Umwegen und Sackgassen die Haupt-Richtung beibehält. In diesem weiten Land gibt es keine Straßen mehr. "Die Wahrheit ist ein pfadloses Land". Menschen, die anfangen, dort unterwegs zu sein, lassen vernehmen, sie seien unmoralische Menschen. Sie gehorchen nicht mehr dem "äußeren" Verhaltenscodex menschlicher Moral (ich weiß, das ist vereinfacht), sondern einem inneren Gesetz (vielleicht sind also auch sie insoweit unfrei).
Oder - weil heute Karfreitag ist - in einem religiösen Bild gesprochen: Christus gehorcht nicht den Gesetzen des Kaisers und nicht den Gesetzen der Religion, sondern "seinem Vater".
Ich bin kein Christ (schon lange nicht mehr), kann nicht an "ewiges Leben" glauben, nicht auf Belohnung im Himmel hoffen oder die Hölle fürchten. Aber Christus (der ja vermutlich nicht der historische Jesus ist, sondern eine "Gestalt der Verkündigung") ist auch für mich ein Idealbild des Menschen, auch des heutigen modernen Menschen. Die Bescheidenheit und Sorglosigkeit ("Seht die Lilien auf dem Felde..."), das Erbarmen und Mitgefühl, die Bereitschaft zur Vergebung, die Gewaltlosigkeit und Selbstlosigkeit - nicht aufgeweicht im Ledersitz eines bischöflichen Mercedes, sondern radikal ernst genommen - hat heute mehr denn je das Potential zur Veränderung der Welt. (Aber noch immer wird Christus täglich gekreuzigt...). Möglicherweise steckt in jedem Menschen dieses "innere Gesetz", der "Vater". Aber Worte vermögen es/ihn nicht zu wecken. Der Mensch ist kein rational bestimmtes Wesen. Und seine emotionale Bestimmtheit ist zu unbewusst, greift zu kurz, ist meist zu selbstbezogen. Buddha konnte seine (heitere!) Erleuchtung nicht herbeidenken, und nicht mit Worten lehren ("misstraut meinen Worten"). Meister Eckhard mahnt: "Du sollst dir nicht genügen lassen an einem gedachten Gott, denn vergeht der Gedanken, so vergeht auch Gott". Was ist die Motivation des Buddhisten, des Mystikers, wenn sie doch daran glauben, mit dem Tod im "Nichts" aufzugehen, wenn "sie" (als Entität) keine Belohnung und keine Strafe erwartet? Die Antwort gibt nicht ein Gedanke und nicht ein Gefühl, sondern ein Bewusstsein. Mit freiheitlicher Entscheidung hat das wohl wenig zu tun.
Ostern steht bevor. Es lässt sich begreifen als das Fest der Hoffnung. In so manchem Menschen steht Christus auf zum Leben, der lebendige Christus. Für mich keine Geistgestalt, eher Geist - "Gottes Sohn". Nicht "übernatürlich", aber auch nicht nur ein Bild. Und dieser Christus hat angeklagt (nicht verurteilt): "Ihr Heuchler!" und war zornig (Vertreibung aus dem Tempel), ließ eine höchst grausame Tötung an sich vollziehen und hat geklagt, rief verzweifelt nach seinem Vater ("Warum hast du mich verlassen?").
Die Kunst ist weniger, zu leiden ohne zu klagen, sondern trotz Leidens glücklich zu sein (Buddha), trotz Leidens nicht einer Leidvermeidungssucht (Wohlstandsegoismus) anheimzufallen, sondern nach dem Bewusstsein zu streben, in dem "Vater und Sohn EINS sind" (Christus) - damit es Bewusstseinsträger und (=) der gesamten "Schöpfung" vielleicht eines Tages etwas besser gehen kann.
Herzliche Grüße,
und schöne Osterfeiertage wünsche ich dir.
Angst davor, etwas Böses böse zu nennen, sollten wir nicht haben. Es ist ein Zeichen von Humanität, wenn wir das Böse an sich hassen, nicht einen Menschen, weil er - mitunter - böse ist.
Aber wie will man denn etwas "gut" nennen, wenn es nichts Böses, Boshaftes, Abzulehnendes gäbe? Gerade auch mißhandelte Kinder hassen, SIND böse. Warum? Weil sie eben böse behandelt worden sind.
Ich mag das Neusprech der "Gutmenschen" nicht, die da glauben, wenn sie vom Bösen nicht sprechen, gäbe es das auch nicht. Oh nein!!!! Es ist genau gegenteilig.
Es ist in mir. Es ist in Dir. Es ist als Möglichkeit in jedem Menschen eben WEIL wir Menschen sind (- wie ich schon in einem früheren Beitrag sagte). - Niemand hat sich in der Umgebung der Dian Fossey, die schließlich ermordet wurde, so unmenschlich und brutal erwiesen, wie ihre eigenen Mitmenschen. Vor diesen mußte sie sich mehr fürchten als vor den Gorillas.
- Und die Zurückdrängung des Bösen, das eben nur im Menschen als Möglichkeit nach vorhanden ist (um seiner Freiheit willen), um dem Guten Platz zu machen, ist eben immer wieder die neu gestellte Aufgabe des Menschen seit er Mensch ist. Wie will man denn Menschsein sonst definieren?
Dem Guten Platz zu schaffen in der eigenen Seele und in der Seele anderer Menschen heißt zugleich auch, etwas für Gott oder das Göttliche zu tun. Ist denn alles in gleichem Maße göttlich? Und wenn nein, wie nenne ich dann das andere, das, das nicht göttlich ist?
Eine viva passiva kann sagen "Alles ist gut". Eine viva activa muß sich wehren, muß um sich schlagen, muß dem Bösen in einem und um einem den Krieg ansagen, darf keinen Laisser faire ihm gegenüber zeigen.
Soweit ich das verstehe, tust du das auch hier auf dem Blog nicht. Aber man sollte nicht klagen und wimmern darüber, wie alles "so schlecht" ist auf der Erde. Nein, tapfer drein hauen (geistig gemeint, natürlich) und das Bessere so konkret wie möglich anstreben.
Und Jesus, der einerseits hassen konnte wie nur einer (ebenso natürlich dann seine Nachfolger), andererseits aber im groteskesten (oder typischsten?) Widerspruch dazu die Feindesliebe predigte, unglaubwürdig wie nur irgendwas, diesen komischen Gesellen sollte man möglichst bald einfach nur vergessen. Er hilft nicht weiter.
Lieber Ingo,
mir scheint, hier ist ein Missverständnis entstanden.
Auf der Ebene (mal platt gesagt:) normalen Wahrnehmens und Agierens bin ich durchaus ein Befürworter moralischer Bewertungen (wenn auch nicht der Versuch des Bemühens um Verstehen fehlen sollte). Da hier eine lose Verbindung zu spiritueller Wahrnehmung geknüpft wurde, schalte ich für eine Weile noch mal meinen Mystik-Blog frei und verweise insoweit auf meinen Artikel Gut und Böse.
Gemeint habe ich viel mehr - und das betrifft ja den Kern meines Posts ("Frauen an den Herd"), dass derjenige, der sich an der Imbissbude eine Curry-Wurst kauft, i.d.R. keine "böse Handlung" vollzieht. Vielmehr ist ihm (i.d.R.) nicht bewusst, welches Leid mit seiner Handlung in Verbindung steht; und psychische Mechanismen verbauen ihm oft den Weg zur Bewusstwerdung dorthin. Analog zu juristischer Beurteilung könnte man vlt. sagen, ihm fehlt insoweit die Schuld- / Einsichtsfähigkeit. (Man könnte natürlich nun weiter fragen, inwieweit es moralisch vorwerfbar ist, nicht an zunehmender Bewusstwerdung und Entwicklung von "Herzensqualitäten" zu arbeiten usw. Aber auch das fordert m.E. zunächst einmal ein Bemühen um Verstehen des Anderen ein...).
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