Freitag, 27. Juni 2008

Ich und Du und die Kuh

“Ob man Wesen durch eigenes Tun tötet oder sie durch andere töten läßt oder dem zustimmt, der sie tötet - stets fördert man das, was einem feind ist.”
(Mahavira)

Mahavira (um 500 v. Chr) war einer der bedeutenden "Tirthankaras” (Furtbereiter, d. h. Kirchengründer) des Jainismus und der eigentliche Erneuerer dieser Religion. Vor allem auf ihn geht eine Art ganzheitlich-systemischen Denkens im Jainismus zurück, die in der westlichen Welt erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts u.a durch Denker wie Capra, die ökologische Bewegung und die Systemwissenschaft in das Bewusstsein breiterer Schichten der Gesellschaft - seltsamerweise aber nur wenig in individuelles Bewusstsein - drang.

Im Kleinen wie im Großen lässt sich in einer solchen Denkungsart sagen: Jedes negative Tun schlägt irgendwann letztlich wieder auf den Verursacher zurück. Auf vielfältige Weise scheint die Lebenserfahrung dem genauen Beobachter dies zu bestätigen: Ob individuell oder global, gesellschaftlich oder politisch, ökologisch oder ökonomisch.

Auch im aktuellen Streit um die Milchpreise lässt sich die Frage nach Bewertung und Folgen menschlichen Tuns auf diese Art stellen. Gerne wird dabei übrigens übersehen, dass nicht die Landwirte die eigentlichen Milchproduzenten sind, sondern die Kühe. Aber davon abgesehen, was die Rinderhaltung für die Tiere selbst bedeutet und wie eine ethische Bewertung dessen aussehen könnte, werden längst bekannte, auch für den Menschen bedeutsame unmittelbare und mittelbare Folgen von Milchviehhaltung und Milchkonsum immer wieder von dem Geschrei um 10 Cent mehr oder weniger für den Liter Milch übertönt.

"Aktuelle Studien zeigen deutliche Zusammenhänge zwischen Milchkonsum und Krankheiten wie Rheuma, Prostatakrebs und Osteoporose. Ganz zu schweigen von ungesunden Bestandteilen in der Milch wie fremdes Cholesterin, tierliche Fetten, Rückstände von Antibiotika und anderen Medikamenten.

Leider verursacht die "Milchproduktion" noch andere Negativeffekte: nämlich einen unglaublichen CO2-Ausstoß. Statistiker gehen davon aus, dass die gesamte "Rindvieh"-Haltung ebenso schädlich ist wie der komplette Autoverkehr. Und damit nicht genug. Auf der Welthunger-Demo, die am 7. Juni 2008 in Köln stattfand, wurde verdeutlicht, dass der Verzehr von tierlichen Produkten eine enorme Ressourcen-Verschwendung ist. Derzeit leiden über 850 Mio. Menschen Hunger - jede Minute sterben weltweit elf Kinder an Unterernährung. In Bolivien z.B. steht 1,8 Mio. Menschen nicht genügend Nahrung zur Verfügung, dennoch werden unbeirrt Unmengen an Nahrung ins ferne Europa geschafft, um dort durch ineffektive "Veredelung", also die Verfütterung an "Nutztiere", weitgehend vernichtet zu werden. Um 1 Kalorie Nahrung aus Tieren herzustellen, wird je nach Tierart die 5-30fache pflanzliche Menge benötigt. Die enorme Futtermittel-Nachfrage führt außerdem zu einem hohen Bedarf an Ackerfläche. In Brasilien wird für den Anbau von Futtersoja zunehmend Urwald zerstört."


Die Jainas, in gewisser Weise vielleicht schon vor zweieinhalb Jahrtausenden Erfinder eines frühen Veganismus, sind ursprünglich und vorwiegend in Indien beheimatet; übrigens dem Land mit den weltweit meisten Rindern*. Der Begriff des Karma spielt im Jainismus und den übrigen Religionen in und um Indien eine große Rolle. Offenbar spiegelt sich in dem Konzept des Karma eine uralte intuitive Weisheit um Vernetzung, die der westlich geprägte Mensch - transponiert durch zeitgenössische Wissenschaft und Denker - erst noch erlernen muss. Doch das sei nur am Rande erwähnt.


*Wie allgemein bekannt ist, gelten auch den meisten Hindus die Kühe als unantastbar. In den meisten indischen Bundesstaaten ist das Töten von Kühen sogar gesetzlich verboten. Weniger bekannt ist übrigens, dass auch im frühen alten Ägypten Kühe als heilig galten und schließlich sogar die Schlachtung zu sakralen Zwecken tabu war. Auch in vielen anderen Kulturen spielten und spielen Rinder eine besondere Rolle.

Dienstag, 24. Juni 2008

Gödels Theorem

Über die Unberechenbarkeit von Gott und Teufel

Die meisten Menschen hinken heute epistemologisch weit dem Stand der Zeit hinterher, wenn sie glauben, dass Wirklichkeit umfassend naturwissenschaftlich beschreibbar sei, oder eines Tages sein würde.

1931 hat der Mathematiker Kurt Gödel seine Arbeit über die berühmten Unvollständigkeitssätze veröffentlicht und damit dem Glauben an die uneingeschränkte Universalität der Mathematik die Grundlage entzogen. Gödel hatte aufgezeigt, dass ein System nicht zum Beweis seiner eigenen Widerspruchsfreiheit verwendet werden kann. Die Folge daraus ist, dass man die Korrektheit von (gewissen) formalen Systemen als gegeben annehmen muss, jedoch lassen sie sich nicht beweisen. Jedes hinreichend mächtige formale System ist entweder widersprüchlich oder unvollständig.

Um die Jahrtausendwende fanden nun - nicht zuletzt wohl auch in Anbetracht des Erkenntnisfortschritts u.a. in Hirnforschung, Systemforschung, Kosmologie und Quantenphysik, sowie des sich daraus abzeichnenden epistemologischen Paradigmenwechsels - zunehmend Wissenschaftler den Mut, ihre eigene - letztlich positivistische - Position als unhaltbar aufzugeben.

Stephen Hawking schreibt in Gödel and the End of Physics:

"Wenn es mathematische Resultate gibt, die nicht bewiesen werden können, dann gibt es physikalische Probleme, die nicht vorausgesagt werden können. Wir sind keine Engel, die das Universum von außen sehen. Vielmehr sind wir und unsere Modelle Teile des Universums, das wir beschreiben. So ist eine physikalische Theorie auf sich selbst bezogen, wie in Gödels Theorem. Man mag deshalb erwarten, daß sie entweder widersprüchlich ist oder unvollständig."*

Naturwissenschaft ist damit nicht untauglich zur Beschreibung von Wirklichkeit. Wir alle profitieren tagtäglich von ihren Errungenschaften. Aber sie ist eben nur eine Methode zur Beschreibung einer Dimension von Wirklichkeit - höchstinteressant und wichtig, aber weder heuristisch noch hermeneutisch als Universal tauglich. Wirklichkeit ist eben vieldimensional. Doch das sei nur am Rande erwähnt.

*Übersetzung zitiert nach: Hans Küng, Der Anfang aller Dinge, Piper Verlag München 2005, Auflage März 2008, S. 37. Diesem Buch entspringt auch die Anregung zu dieser Mentio.




Donnerstag, 19. Juni 2008

Und doch beginnt nicht bewegt Sie

Die Natur hat uns vergessen.

Es gibt keine Natur mehr.

Keine Natur mehr! Du übertreibst.

Ringsherum.

Wir atmen doch, wir verändern uns! Wir verlieren unsere Haare, unsere Zähne! Unsere Frische! Unsere Ideale!-

Dann hat sie uns nicht vergessen.

Du sagst doch, daß es keine mehr gibt.

Niemand auf der Welt hat je so verdreht gedacht wie wir.

Man tut, was man kann.

Man hat unrecht.

Ein Zitat aus "Endspiel" von Samuel Beckett.
Bis auf den Titel dieser Mentio. Doch das sei nur am Rande erwähnt.

Mittwoch, 18. Juni 2008

Dahoam oan Fremda

Autos, Flugzeuge, Maschinen, Rasenmäher, Kinder im Dauergeschrei ..... Ich bin wieder zuhause.

Warum die Menschen den Lärm um sie herum nicht bemerken, oder vielleicht sogar mögen, das wird mir immer ein Rätsel bleiben.

Es ist den Kindern nicht zu verdenken. Sie sind so, dass sie alles nachahmen. Auch den Lärm der modernen Welt.

Wussten Sie eigentlich, dass nach einer jüngeren Studie Kinder vielfach nicht mehr in der Lage sind, leise Geräusche wahrzunehmen? Es werden bereits die ersten Kurse entwickelt, in denen Kinder dies wieder erlernen sollen. Doch das sei nur am Rande erwähnt.

Sonntag, 15. Juni 2008

per agrum









Ich bin dann mal weg.
Doch das sei nur am Rande erwähnt.

Samstag, 14. Juni 2008

Fragments of Infinity


Gleichsam erschrocken wie fasziniert klebten Blick und Denken des Verfassers der heutigen Mentio an diesem Bild, auf das er heute morgen beim Durchblättern der Tageszeitung stieß.

Ohne in plakative Aufdringlichkeit abzugleiten, transportiert diese Digital-Art-Komposition aus dem Jahr 2007 seine bedrückende Botschaft in einer Klarheit, welche die Betitelung des Werkes eigentlich überflüssig macht.

Das Bild (hier aus der Zeitung eingescannt und daher in schlechter Bildqualität) ist eingebettet in einen Artikel über die Ausstellung Borderlives, welche die Stadtgalerie Kiel vom 13. Juni bis 10. August 2008 zeigt.

Als der Verfasser dieser Mentio die Website zur Ausstellung aufrief, fiel ihm auf, dass dort bei gleicher Bildunterschrift ein zwar sehr ähnliches, aber dennoch anderes Bild des Russen Philipp Dontsov gezeigt wird. Es trägt laut artnet in Wirklichkeit den (nun wirklich etwas plakativen) Titel Halleluiah, stammt aus dem Jahr 2005, und ist nach subjektiver Ansicht des Verfassers, kompositorisch und im Ausdruck schwächer, vielleicht eine Vorarbeit zu dem zwei Jahre später entstandenen, oben gezeigten Werk.

Ob hier nun ein Fehler der Stadtgalerie vorliegt oder einer des Verfassers, ist Letztgenanntem unbekannt. Doch das sei nur am Rande erwähnt.

Halleluiah, 2005

Bildquellen: shz und artnet.de

Mittwoch, 11. Juni 2008

Sinnlose Klänge

Ob man Musik genießen kann, hängt üblicherweise davon ab, inwieweit die erklingende Musik dem eigenen Geschmack entspricht. Doch manche Menschen können Musik überhaupt nicht genießen. Das liegt nun nicht daran, dass sie einen nicht zu befriedigenden exklusiven Musikgeschmack hätten, sondern an einer sensorischen Störung des Gehirns, die man als Melodientaubheit bezeichnet. Bei Menschen mit funktionierender Wahrnehmung von Melodien erhält der Frontallappen des Gehirns Signale, die bereits im Auditiven Cortex verarbeitet wurden. Bei Personen mit Melodientaubheit ist dieser Weg gestört. Viele von ihnen verstehen nicht einmal, was Musik eigentlich ist. Böse Zungen behaupten das übrigens auch von manchen Musikern. Doch das sei nur am Rande erwähnt.


Samstag, 7. Juni 2008

Bürgeraufstand

Zwecks Schließung eines "Funklochs" im Mobilfunknetz soll in dem Stadtviertel, in dem der Verfasser dieser Mentio wohnt, auf einem höheren Gebäude eine Mobilfunkantenne installiert werden. Beachtlich viele Anwohner haben eine Bürgerinitiative gegründet, um wegen befürchteter Gesundheitsbeeinträchtigung durch Strahlung dagegen zu protestieren. Unterschriften wurden gesammelt und man ist an die Stadtvertretung herangetreten. An Hauswänden und Dächern hängen mit Protestnoten in großen Buchstaben beschriftete Betttücher; in Fenstern, Vorgärten und Autos fordern Plakate, dass unsere Stadt strahlenfrei bleiben soll.

Dass so gut wie alle der Protestierenden Handys besitzen und nutzen, sei nur am Rande erwähnt.

Freitag, 6. Juni 2008

Eins und Eins ist Eins

In der Fernsehsendung "Scobel" auf 3sat ging es gestern abend um das Europäische Kernforschungszentrum CERN. Dass Gert Scobel dazu neben einem Astrophysiker und einem Teilchenphysiker auch einen Religionswissenschaftler eingeladen hatte, überraschte nur auf den ersten Blick.
Denn die am CERN betriebene Grundlagenforschung ist - wie auch in der Sendung bald deutlich wurde - so etwas wie eine "Religion mit anderen Mitteln": Im Zentrum der Forschung steht im Grunde die alte Menschheitsfrage nach dem Woher und dem Wohin, nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält - und vielleicht auch nach dem Warum des Kosmos.
Und ebenso wie in der Religion liegen die Antworten der modernen Physik außerhalb menschlichen Vorstellungsvermögens, so dass - abgesehen von der mathematischen Sprache in der Physik - nur ein Sprechen in Bildern und Metaphern möglich scheint.
Seitens einiger Vertreter aus den Fachkreisen beider Weltdeutungen - also naturwissenschaftlicher und spiritueller Deutung - wird schon lange immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass diese bisherigen Antworten der Wissenschaftler eine erstaunliche Analogie zu den Antworten der Mystiker der Religionen aufzuweisen scheinen. Auch darum ging es in der Sendung.
Am Ende kann aber auch das nicht verwundern. Denn wenn wirklich ein "Urgrund" den Kosmos manifestiert, berühren sich nicht nur Kleinstes und Größtes, sondern auch Innen und Außen - sowohl für den Physiker, als auch für den Mystiker. Warum also sollte die Welt nicht sowohl physikalisch/mathematisch, als auch spirituell/mystisch beschreibbar sein?
Dass aber auch dieses vielleicht nur ein Konzept des (in der Mesoebene gefangenen, und ohnehin vermutlich noch am Beginn seiner potentiellen Evolution stehenden) menschlichen Geistes ist, zeigen wiederum Neurowissenschaft und Evolutionsbiologie. Denn das, was wir als Wirklichkeit erleben, ist nichts anderes als ein Modell oder ein Konzept des Gehirns, welches Wirklichkeitsanteile konvertiert und zu einem Gesamtbild zu Zwecken des Überlebens und der Genweitergabe zusammenfügt, und das durch die Evolution als Grundstruktur in unser Gehirn geprägt wurde. Für das Überleben oder die Genweitergabe war es nunmal nicht wichtig, die Raumzeitkrümmung oder die Wechselwirkung von Quarks wahrnehmen zu können; also hat die Evolution uns auch keinen Wahrnehmungssinn dafür mitgegeben.
Dass wir Derartiges dennoch denken und durchdenken können, erscheint umso erstaunlicher. Doch dieser Frage nun auch noch nachzugehen, das sei nur am Rande erwähnt, ist das Wetter draußen viel zu schön .

Sonntag, 1. Juni 2008

Augenblick


Heute aufgeschnappschusst
und hier visuell nur am Rande erwähnt.