“Ob man Wesen durch eigenes Tun tötet oder sie durch andere töten läßt oder dem zustimmt, der sie tötet - stets fördert man das, was einem feind ist.”
(Mahavira)
Mahavira (um 500 v. Chr) war einer der bedeutenden "Tirthankaras” (Furtbereiter, d. h. Kirchengründer) des Jainismus und der eigentliche Erneuerer dieser Religion. Vor allem auf ihn geht eine Art ganzheitlich-systemischen Denkens im Jainismus zurück, die in der westlichen Welt erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts u.a durch Denker wie Capra, die ökologische Bewegung und die Systemwissenschaft in das Bewusstsein breiterer Schichten der Gesellschaft - seltsamerweise aber nur wenig in individuelles Bewusstsein - drang.
Im Kleinen wie im Großen lässt sich in einer solchen Denkungsart sagen: Jedes negative Tun schlägt irgendwann letztlich wieder auf den Verursacher zurück. Auf vielfältige Weise scheint die Lebenserfahrung dem genauen Beobachter dies zu bestätigen: Ob individuell oder global, gesellschaftlich oder politisch, ökologisch oder ökonomisch.
"Aktuelle Studien zeigen deutliche Zusammenhänge zwischen Milchkonsum und Krankheiten wie Rheuma, Prostatakrebs und Osteoporose. Ganz zu schweigen von ungesunden Bestandteilen in der Milch wie fremdes Cholesterin, tierliche Fetten, Rückstände von Antibiotika und anderen Medikamenten.
Leider verursacht die "Milchproduktion" noch andere Negativeffekte: nämlich einen unglaublichen CO2-Ausstoß. Statistiker gehen davon aus, dass die gesamte "Rindvieh"-Haltung ebenso schädlich ist wie der komplette Autoverkehr. Und damit nicht genug. Auf der Welthunger-Demo, die am 7. Juni 2008 in Köln stattfand, wurde verdeutlicht, dass der Verzehr von tierlichen Produkten eine enorme Ressourcen-Verschwendung ist. Derzeit leiden über 850 Mio. Menschen Hunger - jede Minute sterben weltweit elf Kinder an Unterernährung. In Bolivien z.B. steht 1,8 Mio. Menschen nicht genügend Nahrung zur Verfügung, dennoch werden unbeirrt Unmengen an Nahrung ins ferne Europa geschafft, um dort durch ineffektive "Veredelung", also die Verfütterung an "Nutztiere", weitgehend vernichtet zu werden. Um 1 Kalorie Nahrung aus Tieren herzustellen, wird je nach Tierart die 5-30fache pflanzliche Menge benötigt. Die enorme Futtermittel-Nachfrage führt außerdem zu einem hohen Bedarf an Ackerfläche. In Brasilien wird für den Anbau von Futtersoja zunehmend Urwald zerstört."
Die Jainas, in gewisser Weise vielleicht schon vor zweieinhalb Jahrtausenden Erfinder eines frühen Veganismus, sind ursprünglich und vorwiegend in Indien beheimatet; übrigens dem Land mit den weltweit meisten Rindern*. Der Begriff des Karma spielt im Jainismus und den übrigen Religionen in und um Indien eine große Rolle. Offenbar spiegelt sich in dem Konzept des Karma eine uralte intuitive Weisheit um Vernetzung, die der westlich geprägte Mensch - transponiert durch zeitgenössische Wissenschaft und Denker - erst noch erlernen muss. Doch das sei nur am Rande erwähnt.
*Wie allgemein bekannt ist, gelten auch den meisten Hindus die Kühe als unantastbar. In den meisten indischen Bundesstaaten ist das Töten von Kühen sogar gesetzlich verboten. Weniger bekannt ist übrigens, dass auch im frühen alten Ägypten Kühe als heilig galten und schließlich sogar die Schlachtung zu sakralen Zwecken tabu war. Auch in vielen anderen Kulturen spielten und spielen Rinder eine besondere Rolle.